Früher und heute: Historische Wurzeln moderner Benimmregeln

19. August 2010
By admin

Wenn wir heute jemandem zur Begrüßung die Hand reichen oder uns beim Gähnen die Hand vor den Mund halten, geschieht das bei guter Erziehung schon reflexartig und ohne, dass wir weiter darüber nachdenken. Insbesondere würde es uns niemals in den Sinn kommen, die Herkunft dieser gesellschaftlichen Rituale zu hinterfragen, halten wir sie doch für selbstverständlich. Dennoch kann ein Exkurs in die Vergangenheit solcher Riten interessant sein, wenn sich z.B. herausstellt, dass die ach so anständigen Verhaltensweisen früher einen rein pragmatischen Hintergrund hatten.


Der Händedruck zur Begrüßung diente beispielsweise im Mittelalter dazu, den Gegenüber zu versichern, dass man keine versteckten Waffen in der Hand führt und bildete damit die Basis für gegenseitiges Vertrauen. Auch heutzutage sorgt ein fester Handschlag für einen aufrichtigen Ersteindruck.

Als Zuhörer eines eher mäßig interessanten Vortrages oder dergleichen ist es sicher jedem schon einmal vorgekommen, dass er ein Gähnen unterdrücken musste, oder es zumindest mit der Hand verbirgt. Dieses Verhalten gibt es schon seit dem Mittelalter, allerdings nicht mit der Absicht einen körperlichen Reflex möglichst höflich zu verbergen, sondern aus dem Aberglauben heraus, durch den weit geöffneten Mund könne die eigene Seele entfahren oder einem auf selbem Wege der Teufel einfahren.

Ähnlich verhält es sich mit den „Gesundheits“-Wünschen, wenn ein Anwesender niest. Zur Zeit flächendeckender Epidemien, in denen schon ein einfaches „Hatschi“ die Menschen dazu brachte, auf Abstand zu gehen, galten die vermeintlichen Genesungswünsche nicht dem Niesenden, sondern dem Sprecher selbst, der sich mit einer Art Bannspruch zu schützen suchte.

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